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Das Holz der Linde als Werkstoff

spielzeug aus lindenholz

Verwendung in der Holzschnitzerei

Das Holz der Linden ist gekennzeichnet durch seine Weichheit und seine geringe Dauerhaftigkeit gegenüber Witterungseinflüssen. Heiligenbilder werden besonders gern aus diesem Werkstoff geschnitzt. Man nennt das Lindenholz daher auch Lignum sanctum, "Heiligenholz". Daher wird es bevorzugt im Innenbereich als gutes Schnitzholz eingesetzt. Seine Hauptverwendung hat es von jeher bei der Bildhauerei und Holzschnitzerei gefunden, wie etwa für Altäre und Heiligenfiguren in der Sakralkunst oder bei der Maskenschnitzerei im alemannischen Bereich. Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und viele andere schufen ihre Werke aus Lindenholz.
Es war das Hauptnutzungsholz für Besteck, Teller, Schüsseln und andere Haushaltsartikel. Linde wird außerdem oft als Tonholz im E-Gitarrenbau verwendet. Seine Klangeigenschaften beschreiben sich als sehr neutral und wenig zeichnend. Die Modellreihen RG und S des Gitarrenherstellers Ibanez bestehen nahezu vollständig aus Gitarren mit Lindenholzkorpussen.
Früher wurde das spezifisch leichte, leicht bearbeitbare Holz im Flugmodellbau für beanspruchte Rumpfteile (Nase) verwendet, bis das Balsaholz an diese Stelle trat.

 

"Hinsichtlich der Gepflogenheit der süddeutschen Bildschnitzer des 15. und 16. Jahrhunderts, ausschließlich Lindenholz zu verarbeiten, hat die kunsthistorische Forschung die Frage aufgeworfen, ob dieser Werkstoff lediglich wegen seiner technischen Eignung herangezogen wurde oder ob nicht vielleicht auch andere Gründe, wie etwa eine besondere Symbolik des Lindenbaumes, für diese Übung maßgeblich waren. So wies etwa der Wissenschafter Michael Baxandall bereits vor zweieinhalb Jahrzehnten auf die außergewöhnliche Bedeutung der Linde im religiösen und brauchtümlichen Leben hin.
Die Meinung, man habe im Lindenholz ein Material mit spezieller Bedeutungsfunktion gesehen, findet eine interessante Bestätigung in der Auffassung der hl. Hildegard von Bingen (1098-1179), verschiedenen Teilen des Lindenbaumes käme heilende Wirkung zu. In Hildegards "Buch von den Bäumen" heißt es hierzu unter anderem wörtlich: "Denn die starke und scharfe Wärme der Linde beruhigt die schädlichen Säfte, die dem Herzen des Menschen schaden."
lindenholzquerschnitt

lindenholzquerschnitt

 
schnitzerei aus lindenholz
"Wird auch heute noch vor allem in den alpinen Gebieten mit Vorliebe Holz als Bau- und Ausstattungsmaterial verwendet, so kam diesem Rohstoff hinsichtlich der Wehr-, Sakral- und Wohnbauten in Mitteleuropa bis in die Zeit des Hochmittelalters überragende Bedeutung zu. In der um 1136/37 niedergeschriebenen Lebensbeschreibung des Bischofs Altmann von Passau wird berichtet, zu Beginn der Amtsperiode (1065-1091) dieses später heilig gesprochenen Kirchenfürsten seien fast alle Kirchen des Landes aus Holz errichtet gewesen und nun durch Steinbauten ersetzt worden. Für Holzkonstruktionen fanden von den einheimischen Nadelhölzern die Kiefer oder Föhre, die Fichte oder Rottanne, die Weiß- oder Edeltanne und die Lärche oder Schwarzkiefer Verwendung, von den einheimischen härteren Laubhölzern die Winter-, Trauben- oder Steineiche, die Sommer- oder Stieleiche, die Rotbuche und die Erle. Leider hat ein europaweites Baumsterben die Ulmen- oder Rüsterbestände weitestgehend vernichtet.
Neben den genannten Hölzern stellen Esche, Nussbaum, Pappel, Linde, Ahorn, Akazie und die amerikanische Pitchpine für Bauschreinerarbeiten geeignete Materialien dar, zu denen als ausländische besonders ihrer Farbe wegen geschätzte Holzarten noch Mahagoni, Palisander, Amarant und Ebenholz hinzukommmen.
Während Lindenholz zu den bevorzugtesten Schnitzhölzern überhaupt zählt, wählten die Möbeltischler des Barock und des 19. Jahrhunderts für ihre künstlerisch subtilen Schöpfungen mit Bedacht Hölzer mit besonders wirkungsvollen Farben und Strukturen aus. Effektvolle Wurzelfurniere sind in diesem Zusammenhang ebenso zu nennen wie etwa auch die einheimische Nuss und diverse Obstbaumhölzer, unter denen sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kirsche besonderer Beliebtheit erfreute.
Bis in die Gegenwart kommt Bäumen allerdings nicht nur der Charakter wichtiger Werkstoff- und Energielieferanten zu, etwas von der in vielen alten Kulturen nachweisbaren Verehrung der Bäume als Wesen besonderer Art oder als Sitz überirdischer göttlicher Wesen lebt auch noch in unseren Tagen nach und äußert sich beispielsweise in der Pflanzung von Bäumen im Bereich von Sakraldenkmalen wie Wegsäulen, Heiligenskulpturen und Wegkapellen. Im volkstümlichen Brauchtum wurden Bäume bis ins 19. Jahrhundert mancherorts als personenhafte Geschöpfe angesehen, denen die Bauern in aller Form ein gutes neues Jahr wünschten, sie zum Weihnachtsessen einluden und um Verzeihung baten, falls sie Schlägerungen vornehmen mussten."

Auszug aus: Ein Lob des Holzes, Denkmalpflege in Niederösterreich, Band 35 "Holz", Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten 2006


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