Einleitung
Oft wird gefragt, warum gerade DIE LINDE zum Symbol unseres Vereins gewählt wurde:
Die Linde ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Baum des Volkes und in allen Landschaften von großer Symbolkraft. Fast im gesamten deutschen Sprachraum stehen Linden an Orten, die den Menschen wichtig sind, z.B. vor Klöstern
und an Wallfahrtsorten. Sehr häufig wurden Linden in die Mitte von Dörfern gepflanzt, in der Bundesrepublik Deutschland tragen mehr als 850 Orte das Wort "Linde" in ihrem Namen.
Diese Bäume markieren, ähnlich wie Eichen, Orte der Rast und des Zusammentreffens, des Frohsinns und der Besinnung. Keine weitere Baumsorte ist so vielfältig besungen und beschrieben worden. Uns ist sie ein Symbol dafür, dass die Verständigung zwischen den Menschen in Ost und West, somit auch Toleranz und Humanismus - wenn man diese entsprechend pflegt - allmählich, aber stetig wachsen werden. Hierzu möchten wir mit unserer Arbeit einen Beitrag leisten.

Grammatikalisch-kritisches Wörterbuch - J. C. Adelung Ausgabe 1811
Heimat, Kultur und Lebenswelt
Globalisierungsprozesse durchdringen heute nahezu jeden Winkel unserer Erde. Moderne Kommunikationsnetze besitzen rasante Geschwindigkeit, überbrücken blitzartig Entfernungen zwischen Nationen und Kontinenten und sie heben scheinbar alle räumlichen Bindungen der Menschen auf. Mit ihnen wird elektronische Teilhabe an verschiedensten Aktionen nahegelegt, selbst "ohne physische Anwesenheit" am Gemeinwesen des eigenen Wohnortes.
Doch das "Global Village" ist und bleibt unpersönlich.

Gleichwohl brauchen die Menschen auch als "moderne Weltbürger" ein persönliches
Refugium. Zukunftsforscher beschäftigen sich intensiv mit dieser Thematik.
Soziologen sehen in der "soziokulturellen Verankerung" des Menschen, seinem Zuhause und persönlichen Umfeld einen unabdingbaren Gegenpol zur allgegenwärtigen Globalisierung und Vernetzung. Vom Anspruch des Menschen auf einen "realen Raumbezug", auf eine moderne, demokratische Heimat ist die Rede.
Nach Umfragen von Meinungsforschern gewinnt für die Mehrheit der Deutschen der Heimatbegriff wieder an Bedeutung, während andere ihn immer noch gerne in die Nähe "bodenständiger Volkstümelei" rücken. Wiederum andere lehnen diesen Begriff gänzlich ab aufgrund des Missbrauchs, den enthemmte Nationalisten damit bedauerlicherweise
trieben und treiben. Es formiert sich ganz offensichtlich eine breite Suchbewegung nach jener räumlichen Teilwelt, wo Kontakte zu Mitmenschen, Freunden und Nachbarn, wo Solidarität, multikulturelles Miteinander, Traditionen, Sitten und Bräuche tagtäglich erlebt werden können - nicht zuletzt, um Wärme und Identität zu stiften.
Immer sind Berliner und Neu-Berliner im Begriff, sich ihre regionale Lebenswelt neu anzueignen. Städter und Umländer finden in einem widerspruchsvollen Prozess ganz allmählich wieder zueinander. Den Hauptstädtern ist es zudem aufgegeben, zu allen Regionen des wieder zusammengefügten Landes nun in viel intensivere Beziehungen zu treten als bisher.
Bildungsverein
Volkskundler, Historiker, Kulturwissenschaftler, Ökonomen und Vertreter anderer Disziplinen - selbst inmitten dieser Prozesse stehend - gründeten im August 1997 einen Verein, mit dem sie vor allem in Berlin das Wissen über die vielfältigen Kultur- und Lebensformen fördern wollen: den gemeinnützigen Bildungsverein für Volkskunde in Deutschland DIE LINDE e.V.
Dieser Verein sieht seine Aufgabe auch, aber nicht vorrangig, in eigenständiger Forschungsarbeit. Wir wollen aufbereiten und vermitteln, was wissenschaftliche Institute, Einzelwissenschaftler und engagierte Kooperationspartner im ganzen Lande erarbeitet haben.
Mit Buch- und Multimedia-Publikationen sowie Internetbeiträgen wenden wir uns nicht in erster Linie an volkskundlich Vorgebildete, sondern an allgemein interessierte Menschen und jene, deren Interesse geweckt werden soll und kann.
Eingeschlossen sind ebenso alle Bürger aus über 150 Nationen, die mit uns in der Bundesrepublik - hier speziell in der Hauptstadt Berlin - zusammenleben und ursprünglich in ganz anderen, teilweise sogar mehreren, Kulturkreisen verwurzelt sind.
Projekte
Die Bilanz der vergangenen Jahre kann sich sehen lassen:
In unseren
Projekten, die von der Bundesanstalt für Arbeit, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Berliner Senats gefördert wurden (teilweise über zwei oder drei Förderjahre), konnten
Veröffentlichungen
der verschiedensten Art erfolgreich abschließen, andere sind gegenwärtig in Bearbeitung.
Über 100 Wissenschaftler und technische Mitarbeiter waren engagiert und ideenreich in diesen Projekten tätig oder werden demnächst neue Publikationen fertigstellen.
Die Ergebnisse werden auf den Seiten dieser Homepage vorgestellt.
Wir möchten an dieser Stelle sowohl den Förderern als auch den Mitwirkenden unseren Dank
aussprechen!
Berlin, im Mai 2003
Prof. Dr. sc. Winfried Morgenstern
Dr. Wolfgang Kagel
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